Das Wollschaf fragt:
Was meint Ihr? Pillt selbstgesponnene Wolle mehr oder weniger wie gekauftes Garn?
Herzlichen Dank an Wollpoldi für die heutige Frage!
Pilling ist meiner Beobachtung nach eher eine Frage der Faser und ihrer Verarbeitung denn der Spinnmethode. Locker gesponnenes Alpakagarn pillt “wie blöde”, hochdrallig gesponnenes und gezwirntes Alpaka dagegen ist recht widerstandsfähig. Gleiches gilt für empfindliche Wollen wie Merino oder Katzenhaar.
Da ich als Handspinner (meist Handspindler) den Drall meines Garns unter direkter Kontrolle habe, kann ich die Pilling-Faktoren auch gut beeinflussen. Kurzstapelige Fasern neigen von Natur aus zum ausziehen oder pillen, also benötigen sie mehr Drall, um im Faden oder Zwirn zu bleiben. Dünne Garne verlangen auch von sich aus mehr Drall, damit sie sich nicht aufdröseln. Langstapelige Fasern dagegen benötigen weniger Drall und leben auch in dickeren Garnen recht gut. Ihre Neigung, sich aus dem Faserverbund zu lösen ist auch geringer.
Manche industriell hergestellten Garne (Alden Amos sagte einmal bösartig und treffend, dass “Mill-spun yarn” nur soviel Drall hat, dass es beim Transport zum Verwerter nicht auseinanderfällt) berücksichtigt diese “Drallgesetze” nicht richtig – ein Beispiel für ein unbelastbares Garn mit starker Pillingneigung ist das Schachenmayr Alpaka von vor ein paar Jahren. Die Wolle ist wunderbar weich, extrem locker gesponnen und gezwirnt und zumindest als Schal nicht zu brauchen – Kontakt mit Loden führt zu ausgezogenen Fasern, die wild pillen oder fliegen. Mein schöner Schal ist so verpillt und verfilzt, dass ich ihn nicht mehr tragen möchte.
Um die niedrigen Drallzahlen trotzdem zu halten (mehr Drall kostet mehr Geld in der Produktion) werden den anfälligen Fasern meist langstapelig(st)e Fasern beigemischt, um den Faden zu stabilisieren. Da ich von Chemiefaser-Beimischungen nicht so viel halte, kaufe ich diese Garne nicht. Garne aus 40% Merino, 40% Seide und 20% Possumwolle dagegen lachen mich schon an, aber bis jetzt hatte ich noch kein Projekt in der Hinterhand, das die Anschaffungskosten rechtfertigt.
Pillingneigung ist also eine Sache der angemessenen Verarbeitung. Da ich als Handspindler einfach mehr Einfluss auf mein fertiges Garn ausübe als es eine Industriemaschine kann, behaupte ich einfach: Ein kompetent und sachgerecht handgesponnenes Garn ist widerstandsfähiger gegen Pilling als ein allround-Industriegarn aus dem gleichen Material. Es ist natürlich auch teurer, aber Qualität hat eben seinen Preis.

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