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Gestaltungskurs II in Sindelfingen

Ich bin wieder zurück an meinem gemütlichen Computer (wenn man vom umgebenden Chaos absieht). Die Kommentare sind freigeschalten oder gelöscht (ich entschuldige mich für die V*****-Werbung), und der Gestaltungskurs im Haus der Handweberei in Sindelfingen war wieder toll, erschöpfend und absolut lohnend.

Im Gestaltungskurs geht es hauptsächlich um Farbenlehre, Farbanwendung und die Erweiterung unserer “Farbreichweite”, angewandt auf Textilien. Wir sind schließlich Handweber-Azubis ;-)

MeineFotos von diesem Wochenende beschäftigen sich zuerst einmal mit Farbstellungen zum Herbst und Winter. Meine zwölf Winterfarben stammen aus der Erinnerung an einen sehr harten Winter, als wir noch in Windsbach (Mittelfranken, in der Nähe von Ansbach) gelebt haben und an den Weihnachtsfeiertagen so gut wie eingeschneit waren. Für findige Studenten und ihren Riesenschnautzer war die Rezatau aber immer noch begehbar, also haben wir lange Spaziergänge durch deutschen Tiefschnee absolviert.

Winter-Farbstimmung

Winter-Farbstimmung (Windsbach, Mittelfranken, Deutschland)

Zum zweiten zog ich dann noch einen Herbst. Diese Herbstfarben sind allerdings nicht unbedingt Deutsch oder Mitteleuropäisch – einen “echten” Herbst verbinde ich aus irgendeinem Grund ;-) mit einem langen Spaziergang durch die Ginko-Allee in Ginza, einem Vorort von Tokyo. Deshalb haben sich auch das klirrende Orange und das kühle Grau mit in die Farbstellung geschlichen, während ein beinahe-noch-sommerliches Grün immer noch präsent ist. In Tokyo kommt der Herbst sehr spät, weshalb diese Farbstellung schon fast zum November gehört.

Farbstimmung Herbst (in Ginza, Tokyo, Japan)

Farbstimmung Herbst (in Ginza, Tokyo, Japan)

Und nachdem wir in diesem Gestaltungskurs auch etwas Bildweberei vorbereitet haben (Ausführung folgt Ende Februar), gibt es hier ein paar Entwürfe, die ich aus einem 1996 im Kunstunterricht mit Wasserfarben entstandenen Bild abgeleitet habe. Die Kunst”stunde” damals war unglücklich, die Aufgabenstellung für mich etwas komisch (bringe möglichst viele Maltechniken in einem Bild unter) und die Zeit für mich zu kurz. Man entschuldige also bitte die ganzen Kompositions- und Perspektivenfehler, die ich wider besseres Wissen eingebaut habe – ich war wuschig und aus dem Gleichgewicht.

Mein erster Entwurf nahm den brennenden Baum. Eigentlich sollten wir das Motiv in Kollagetechnik erarbeiten, deshalb habe ich den Baum in große Farbflächen aufgeteilt. Dann musste ich feststellen, dass ich den falschen Satz Buntstifte eingepackt hatte – Variante Textmarkierung, nicht Variante Malen und Mischen mit fünf Stiften – also habe ich in Falschfarben gearbeitet und die Farben hinterher vermalt. Der Streifenbaum mit violetten Linien ist also der erste abgearbeitete Entwurf.

Danach kamen Textilkreiden zu meiner Rettung. Ich zeichnete den Entwurf noch einmal neu, und diesmal in den richtigen Farben und ohne Rücksicht auf eventuell aufzupappende Papierstreifen. Das Bäumchen sieht sich jetzt viel ähnlicher (Das ist das Wachskreidebild unter dem Baum mit den violetten Linien).

Mittlerweile war mir der Baum aber doch nicht mehr so grün, also zog ich die bunte Eiche in den Vordergrund und löste die Farbflächen etwas größer auf – das ist die grünbunte Eiche rechts.

Danach war mir nach lauter Farben, und in guter Patchwork-Manier entstand die helle Farbzusammenstellung unter der Eiche.

Damit hatte ich mich dann ausgetobt, und eigentlich war mir dann doch eher nach Baum, aber nicht so konkret wie in den anderen Entwürfen. Und mir war auch nicht mehr nach Farbe, sondern nach subtilen Unterschieden und genialen Farbverläufen im fertigen Gewebe. Also warf ich einen bildteilenden dunklen Ast aufs Papier, platzierte einen großen Mond darüber und eine falschfarbene rote Eule darunter. Jetzt hatte ich meinen Entwurf. DIE Lösung. Genau dieser Entwurf wird im Februar zu einem Webbild. Wo ich die “farbige” Wolle dazu herbekomme, weiss ich noch nicht. Grau ist keine sehr beliebte Farbe bei Webgarnen… Selber färbt und spinnt die Frau.

Und zum krönenden Abschluss stellte ich einen der berühmtesten japanischen Holzschnitte Hokusais aus dem Gedächtnis nach: Die Tsunami – das blaue Farbgewirr unter dem Ursprungsbild. Das hat auch etwas, aber meine Vollmondszene gefällt mir besser.

So entsteht aus einem etwas missglückten Ursprungsbild noch ein brauchbares Stück Entwurf. Immer dran weiterarbeiten, das ist das Motto.

Baum-Entwürfe für ein Webbild

Baum-Entwürfe für ein Webbild

P.S.: Für alle, die auf das Foto meines Messerocks warten: Ihr müsst euch noch etwas länger gedulden, das gute Stück ist gerade in der Wäsche, und ungebügelt präsentiere ich den Rock nicht.

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