Hermann und ich

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einer Freundin übers Brotbacken. Früher habe ich mich recht intensiv damit beschäftigt. Meine Sauerteig-Versuche starben dutzende Tode. Unterzuckert, überzuckert, untermehlt, zu kalt, zu warm … Ich habe einiges an Erfahrung in Sachen Fehlgärung. Dadurch verfüge ich auch über eine geeichte Nase: Ich kann riechen, was an einem Teig falsch gelaufen ist.

Während des Gesprächs kamen wir beide darauf, dass wir zwar wollen täten, aber wirklich keine Zeit für eine gute Sauerteigführung haben. Mit Kindern und Gästen und Haushalt ist das nicht so einfach, wie es sich beim Durchlesen eines Rezepts anhört. Vor allem, wenn der Rest der Leute im Haus keine Ahnung von Sauerteigen hat und nicht weiss, warum man auf keinen Fall die Heizung darunter ausstellen sollte.

Einige Tage später brachte mir ein Gast ein “neues Haustier” mit. Zusammen mit einem Kettenbrief: Einen Hermann-Teig. Erkannt habe ich ihn sofort – aber mir war nicht bewusst, dass der Kettenbrief-Hermann immer noch lebt, sozusagen. Wider besseren Wissens habe ich den Teig angenommen. Er roch gut, ordentlich Milchsauer. Also konsultierte ich die Anleitung und rührte am passenden Tag 200g Zucker in den Teig. Zum Hefefüttern.

Dann gab es die ein oder andere Katastrophe, und als ich am nächsten Tag den Teigzustand kontrollieren wollte, hatte der Teig gut eineinhalb Tage in der prallen Sonne bei 30+ °C verbracht. Der grobkörnige Zucker, den ich dank Sturmböen und hingefallener Kinder nicht mehr richtig unterrühren konnte,  hatte sich am Boden abgesetzt und das Ergebnis roch nach … Alkoholgärung. Nichts mehr mit milchsauer.

Also habe ich den Teig entsorgt. Mit Hermann und mir wird das die nächsten Monate nichts. Irgendwann, wenn es wieder kälter wird und das Wetter berechenbarer aussieht (einmal herzlich lachen, bitte), setze ich noch mal einen Hermann an. Der Teig ist ja recht stabil, und einmal die Woche kann man ihn für süßes Brot teilen und neu anzüchten. Dann machen wir daraus das Sonntags-Zuckerbrot.

Caseln für die Ewigkeit

Es folgen zwei Beiträge zum Thema “Nähen für die Ewigkeit” von Himmel-und-Hölle-Näharbeiten. Bitte lesen Sie sie sorgfältig und befolgen alle Anweisungen getreulich. Die Caseln halten ewig, und die Restauratoren… lassen wir das.

Anleitung für das Schneidern von Ewigkeitscaseln

Benötigte Materialien
Oberstoff: Feinste, zerbrechliche Seide
Verstärkungsstoff: Dünner Cottanova
Einlage: Grobes Leinen
Futter: Nach Belieben, bevorzugt dünn und zerbrechlich.
Faden: Eternitfaden… oder stabiles Polyester

Einstellen der Nähmaschine
Drehen Sie die Fadenspannung so hoch wie möglich, sowohl beim Ober- als auch beim Unterfaden. Kalibrieren sie für eine perfekte Fadenlage mit Schlingung in der Mitte der Stofflagen. Stellen sie die kleinstmögliche Stichlänge ein. 1 – 0,05mm ist ideal.

Nähen
Nähen Sie zuerst Stickerei und Verstärkungsstoff zusammen. Dann Stickerei, Verstärkungsstoff und Einlage, daraufhin das bestehende Paket mit der Borte und zuletzt noch mit dem Futterstoff. Die Casel ist für die Ewigkeit gemacht, also reicht eine Runde pro Durchgang nicht aus. Nähen Sie zwei- oder dreimal, und vernähen Sie die Fadenenden bombenfest.
Bedenken Sie immer: Eine Ewigkeitscasel ist für die Ewigkeit gemacht. Eher soll der Stoff reißen als die Naht.

Kundeninformation zur Ewigkeitscasel

Sehr geehrter Kunde,
Sie haben soeben eine Ewigkeitscasel erworben. Um dieses wunderbare Textil, das für die Ewigkeit schon im Diesseits geschaffen wurde, angemessen zu erhalten, möchten wir Sie bitten, folgende Punkte zu beachten:

  • Bewahren Sie die Ewigkeitscasel in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit auf
  • Achten Sie darauf, dass in Gegenwart der Ewigkeitscasel viel geraucht und/oder geweihraucht wird
  • Vermeiden Sie Schränke mit Mottenschutz. Mäuse, Teppichkäfer, Motten und andere Insekten möchten auch etwas von der Ewigkeitscasel haben.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit frischer Luft und/oder Sonnenschein. Dies ist unheimlich schädlich für die Ewigkeitscasel.
  • Lassen Sie die Ewigkeitscasel NIE reinigen. Auch mit frischem Wasser darf die Ewigkeitscasel NIE in Berührung kommen.
  • Zusammengefasst: Ein feucht-kalter Raucherkeller mit Schimmelpilzbildung ist ideal für die Ewigkeitscasel.

Vermeiden Sie nach Möglichkeit auch, ihre Ewigkeitscasel von Schneidern, Nähern, Stickern oder Restauratoren begutachten zu lassen.
Wenn Sie sich treulich an diese Regeln halten, wird Ihnen die Ewigkeitscasel ein Leben lang erhalten bleiben.

Und nun ein Life-Mitschnitt aus einer Paramentenmacher-Werkstatt, in der gerade eine Ewigkeitscasel zur Restauration ansteht:

“Und da haben wir noch diese… ugh. Was ist den DAS?” (lange Pause)
“Also, wir brauchen jemand, der das auftrennt…” (Job wird verteilt. Die Tapfere Stickerin beginnt mit der Arbeit)
“Schwester, ich benötige eine Schutzbrille, meinen OP-Mundschutz… nein, besser die Gasmaske, die Latexhandschuhe und das Skalpell. Benötigen wir mehr als nur die Stickerei? Nein? Sehr gut. Räumt das Haus.”
(einige Stunden vergehen… Die Tapfere Stickerin wankt aus dem Arbeitszimmer und wird von ihren Kolleginnen empfangen)
“Wir brauchen einen Taxonomen. Ich glaube, ich habe zwischen den Stichen noch 30 unbekannte Insektenarten gezählt…”

Um fair zu sein …

Viele der “Ewigkeiscaseln”, die in den Händen von Restauratoren landen, wurden nicht vom Messner oder der Gemeinde falsch behandelt. Sie wurden nach Jahren treuen Dienstes ausgesondert und bis zur endgültigen Entsorgung – was sich in manchen Kirchen recht kompliziert gestaltet – in einem Plastiksack im Keller oder auf dem Dachboden gelagert. Dort wurden sie vergessen und Jahre später wiederaufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Caseln nicht mehr alt, sondern historisch und dadurch wieder interessant. Also kommen sie zur Restauration, und das Spiel beginnt.

Der Wettergnom

Mein Mann hat die Verantwortliche für das schlechte Wetter beobachtet und gezeichnet.

GoblinShamaninRain

Hochwasser

Vor ein paar Jahren haben wir dort gewohnt, wo jetzt Land unter ist. Hätten wir uns nicht für die Pampa entschieden, so würden wir heute mit dem Schlauchboot einkaufen gehen und jeden Tag die Sandsäcke auf Sickerstellen untersuchen. Bei uns gilt zwar auch (noch) Hochwasser-Meldestufe 2, aber das Einzige, was uns beeinträchtigst, ist das Rattern der Grundwasserpumpe. Ab und zu. Da wir im ersten Stock wohnen, ist das alles relativ.

Nun juckt es mich in den Fingern, ein oder zwei Hochwasser-Kurzgeschichten zu schreiben, aber ein gewisser Roman hat absoluten Vorrang. Ich wünsche allen Hochwasseropfern, dass das Wasser bald abfließt und sich die Reparaturkosten in Grenzen halten.

Tablet und Tastatur

Mein Laptop, auf dem ich jeweils die ersten zweihunderttausend Zeichen Nachtrichter, Hundeelend, Tagrichter und Türme aus Kristall getippt habe, ist von mir gegangen. Das Ersatzstück für mobiles Arbeiten ist nun ganz im Zeichen der Zeit ein Tablet mit Bluetooth-Tastatur. Bei jeder getippten Zeile werde ich wieder daran erinnert, dass ich gute Gründe habe, kabelgebundene Peripheriegeräte zu bevorzugen: Ich bin auf der Tastatur schneller als die Sende- und Empfangseinheit. Aber der Speicher meiner ausgewählten Tastatur ist zum Glück groß genug, um auch mal fünf schnellgetippte Sätze aufzunehmen und abzuarbeiten. Auch wenn diese Sorte Echo-Schreiben sehr an die Anfangszeit des Computers erinnert, als der Server jede Eingabe bestätigen musste.

Oh, eine kleine Korrektur. “Hundeelend” war natürlich nur 180.000 Zeichen lang. Das Stück habe ich komplett auf dem Laptop geschrieben. :)

Bilder von den Baumwoll-Sämlingen

Gossypium Arboreum als Samen, einen Tag alter Keimling mit noch zusammengefalteten Keimblättern, vier Tage alt und noch einmal mit zwei Wochen. Ich habe den Verdacht, dass der Baumwollbaum am Anfang seines Lebens sehr viel Wurzelwachstum aufweist. Bei den Blättern ist er zumindest recht lahm.

Gossypium Arboreum 1. Tag. Bleistiftzeichnung.

Gossypium Arboreum 1. Tag

Gossypium Arboreum 4. Tag. Bleistiftzeichnung

Gossypium Arboreum 4. Tag

Gossypium Arboreum. 2 Wochen nach Keimung. Zwei Keimblätter sind voll entfaltet, das erste echte Blatt wird ausgeprägt. Foto.

Gossypium Arboreum. 2 Wochen

 

Scharfrichter angekündigt

Mein neues Romanprojekt ist endlich offiziell. Der dritte Band von “Phexens Diener” mit dem Arbeits- und Veröffentlichungstitel “Scharfrichter” wird im nächsten Winter bei Ulisses Spiele erscheinen. Ein Titelbild existiert auch schon.

Scharfrichter-Romancover. Der Roman erscheint Winter 2013 bei Ulisses Spiele

Scharfrichter. Phexens Diener III. Bild von Luisa Preißler.

Efferd-Aufnäher im F-Shop

Gerade habe ich im F-Shop gesehen, dass es jetzt Aufnäher und Borten mit den Symbolen dreier DSA-Götter gibt: Efferd, Praios und Hesinde. Über die Qualität kann ich nichts sagen: Ich habe die Borten noch nicht in der Hand gehalten. Aber völlig vermessen war mein erster Gedanke: Mit Brettchentechnik hätte die Borte schöner ausgesehen als mit diesem sehr feinen Jaquardmuster. Aber natürlich ist die Weberei mit so komplexen Kettmustern wie die Brettchenweberei sie bietet nicht sonderlich maschinentauglich. Die Jaquard-Webstühle dagegen sind die Urahnen unserer Computer, und deshalb sehr leicht zu programmieren.

Der Grund für den Post ist aber ein anderer: Die Idee mit dem Efferd-Symbol hatte ich auch schon. Es ist nur kein Aufnäher, sondern eine Haarspange mit Beinnadel. Gestickt wurde mit und auf Resten – ich hatte einfach mal das Bedürfnis, ein Klischee zu sticken. Ab und zu brauche ich bei der ganzen eng geplanten Arbeit einfach ein Chaosprojekt, an dem alles frei Hand gemacht ist – ein Öpferchen an Tsa, sozusagen.

Haarspange mit Efferdsymbol, DMC-Baumwollgarn auf Patchworkstoff. Gestickt freihand nach Bildvorlage.

Haarspange mit Efferdsymbol, DMC-Baumwollgarn auf Patchworkstoff. Haarnadel aus Bein.

Keimverhalten Gossypium Arboreum

Etwa drei Wochen nach der Aussat in Quelltöpfe haben drei der zehn Anfang dies Monats ausgesäten Gossypium Arboreum Samen ausgetrieben. Dabei ist der Baumwollbaum ganz schön hinterhältig. Zuerst versenkt er seine Keimwurzel  unauffällig im Substrat. Erst zwei Tage, nachdem die Wurzel ausgetrieben und ihr Wachstum begonnen hat, zeigt sich der eingefaltete oberirdische Teil der Pflanze. Drei bis vier Tage nach der Öffnung der Samenhülle richtet sich der Keimling auf und präsentiert zwei etwa Daumennagelgroße Keimblätter. Diese wachsen schnell weiter, bis sie die Länge des mittleren Daumenglieds erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt ragt mindestens schon die Keimwurzel (die spätere Pfahlwurzel) unten aus den Quelltöpfen heraus.

Der Laptop ist tot, es lebe …

Mein Laptop ist tot. Nach gut sechs Jahren treuen Dienstes mochte er nicht mehr. Drei Romane und eine Novelle entstanden zum großen Teil auf seinen Tasten. Rücksichtsvoll wie immer wartete er auch bei seinem Ende bis nach dem letzten Backup. Genauer gesagt, das Backup mit dem aktuellen Projekt floss ohne Probleme auf den Server, und beim Runterfahren des Systems verabschiedete sich die Festplatte auf Nimmerwiedersehen.

Nun suche ich kurzfristig nach Ersatz. Mein schweifendes Auge liegt gerade auf einem Android-Tablet mit Dockingstation und Tastatur. Aber vielleicht macht auch ein anderes Subnotebook das Rennen. Zehn Zoll Schreibbreite sind einfach ideal, wenn man ohne Ablenkung Text produzieren möchte. Mal schauen, was mir der Computzterhändler anbietet. ;)